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Pressestatement anlässlich des "Konsenspapier zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung"

Berlin, 06.09.2018 – Diese Woche haben in Nordrhein-Westfalen das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Ärztekammern sowie die gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen das "Konsenspapier zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung" vorgestellt. Ziel ist es, den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin zu fördern. Im Fokus stehen dabei ländliche Regionen. Dazu erklärt der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt:

„Es ist eine gute Nachricht, dass die Verantwortlichen in Nordrhein-Westfalen, und insbesondere Minister Karl-Josef Laumann, den Handlungsbedarf bei der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung erkannt haben. Die Förderung des Quereinstiegs ist dabei ein sinnvoller Ansatz. Die konkrete Umsetzung, die in NRW nun beschlossen wurde, geht jedoch in die völlig falsche Richtung! Das Ministerium wurde hier von den Ärztekammern und den Kassenärztlichen Vereinigungen offensichtlich schlecht beraten.

Wir lehnen es entschieden ab, wenn die hohen Qualitätsstandards in der allgemeinmedizinischen Weiterbildung herabgesetzt werden. Genau dies sieht das NRW-Konzept aber vor! Demnach sollen zukünftig Ärztinnen und Ärzte, die bisher ausschließlich im Krankenhaus tätig waren, nach nur zwölf Monaten in der ambulanten Weiterbildung den Facharzt für Allgemeinmedizin erwerben und hausärztlich tätig sein können. Junge Kolleginnen und Kollegen in der regulären Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin sind verpflichtet mindestens 24 Monate in einer hausärztlichen Weiterbildungspraxis zu absolvieren.

Zweifelsohne sind die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern für ihre Arbeit bestens qualifiziert. Trotzdem kann der Titel des Facharztes für Allgemeinmedizin nicht im Schnellverfahren vergeben werden, denn hierfür sind ganz andere Kompetenzen gefragt!

Es ist aus meiner Sicht vollkommen inakzeptabel, dass die Ärztekammern und die Kassenärztlichen Vereinigungen in NRW dieses Konzept mittragen. Sie konterkarieren damit die Beschlüsse des Deutschen Ärztetages zur Sicherung der Qualität der hausärztlichen Versorgung durch die Stärkung der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin.

Mittelfristig werden die beschlossenen Maßnahmen der Attraktivität der Allgemeinmedizin eher schaden, statt sie zu stärken. Gerade bei jungen Kolleginnen und Kollegen entsteht so der Eindruck, dass man in nur zwölf Monaten zur Allgemeinmedizinerin oder zum Allgemeinmediziner werden kann. Dass Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zudem deutlich schlechter bezahlt werden als Ärztinnen und Ärzte, die sich im Quereinstieg befinden, ist ein weiteres fatales Signal.“

Kontakt:

Deutscher Hausärzteverband e.V. | Büro des Bundesvorsitzenden

Vincent Jörres | Pressesprecher

Bleibtreustr. 24, 10707 Berlin

Tel.: + 49 (0) 30 887 143 73-60 | pressestelle@hausaerzteverband.de

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